Workshops

Donnerstag, 14. März 2019, 11.00 – 12.30 Uhr

1 – Gewalttätige Frauen – Gewalt durch Frauen
Leitung: Norbert Nedopil, München
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2 – Sexualsucht
Leitung: Gerhard Haselbacher, Krailling
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Donnerstag, 14. März 2019, 16.00 – 17.30 Uhr

3 – Mutterschaft ohne (Alters-)Grenzen
Leitung: Sibil Tschudin, Basel
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4 – Wunsch- und Strafsectio - eine psychosomatische Betrachtung
Leitung: Ralph Kästner, Meran
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Freitag, 15. März 2019, 11.00 – 12.30 Uhr

5 – Gewalterfahrung unter der Geburt – Geburtserleben und Bildung weiblicher Identität
Leitung: Barbara Maier, Wien
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6 – Spezialisierte Physiotherapie bei Funktionsstörungen im Becken - eine somato-psychische Kasuistik
Leitung: Christiane Rothe, Wörth
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Freitag, 15. März 2019, 16.00 – 17.30 Uhr

7 – Abgründe der Konvention: Weibliche Identität in Louis Malles „Verhängnis“. Eine psychoanalytische Filmdiskussion
Leitung: Vivian Pramataroff-Hamburger, Hamburg, Andreas Hamburger, München
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8 – Selbstbeschädigung und Selbstfürsorge in therapeutischen Berufen
Leitung: Arndt Ludwig, Zwickau
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Samstag, 16. März 2019, 9.30 – 11.00 Uhr

9 – Leiden als Teil weiblicher Identität
Leitung: Eckhard Frick, München
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10 – Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Neurobiologie
Leitung: Ute  Habel, Aachen
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Abstracts:

Donnerstag, 14. März 2019, 11.00 – 12.30 Uhr

1 – Gewalttätige Frauen – Gewalt durch Frauen
Leitung: Norbert Nedopil, München

Gewalt, die von Frauen ausgeht, ist ein heikles Thema, welches durch viele unausgesprochene Vorannahmen belastet ist. Tatsächlich tauchen Frauen in der Kriminalstatistik, insbesondere bei Gewaltverbrechen, sehr viel seltener auf als Männer. Bei Tötungsdelikten und bei schwerer Körperverletzung sind es nur fünf bis zehn Prozent aller registrierten Fälle, was den Satz einer alten finnischen Studie unterstreichen würde: „Girls tease and boys fight“.

Allerdings lässt sich Gewalttätigkeit aus verschiedenen Perspektiven betrachten, wenn man sie so definiert, wie das in den meisten epidemiologischen Untersuchungen gemacht wird, nämlich als körperlicher Angriff mit Waffen oder einem Körperteil oder ernsthafte Drohung unter Benutzung irgendeines potentiellen Tatwerkzeugs. Untersuchungen über intrafamiliäre und partnerschaftliche Gewalt zeigen dann, dass es zwischen Männern und Frauen keinen Unterschied bezüglich der Häufigkeit derartiger Gewalt gibt und wenn man Gewalttätigkeiten in psychiatrischen Kliniken fahndet, wird sie bei Frauen sogar häufiger registriert als bei Männern. In den entsprechenden Studien finden sich auch bezüglich des Ausmaßes der Gewalt statistisch keine wesentlichen Unterschiede.

Bei der Betrachtung von Gewalttätigkeit wird unser Eindruck vermutlich von besonders schwerwiegender Gewalt bestimmt und von der Bereitschaft, sich als Opfer von Gewalt nach außen zu wenden. Diesbezüglich unterscheiden sich Männer und Frauen tatsächlich: Wenn man diese Einschränkung macht, ist man wieder in der Nähe der Kriminalstatistik. Allerdings sind die Frauen im Vergleich zu Männern meist jünger, sie leiden häufiger unter psychischen Störungen und viele waren selber Opfer von Gewalt. Es muss aber berücksichtig werden, dass schwere Gewaltkriminalität ein relativ seltenes Phänomen in unserer Gesellschaft ist, so dass schon geringe quantitative Abweichungen sich bei relativer Betrachtung stark auswirken.
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2 – Sexualsucht
Leitung: Gerhard Haselbacher, Krailling

In diesem Workshop soll das Thema Sexsucht oder Hypersexuality näher gebracht werden, eine Thematik, die nicht unumstritten als Krankheitsbegriff ist, wie man an der Diskussion um die Aufnahme in der Diagnosekatalog des DSM-V gesehen hat. Dabei ist die Sexsucht als ein Beispiel nichtstofflichen Suchtverhaltens zu sehen und soll als solches auch einer Behandlung zugeführt werden. Die Thematik soll dargestellt und gemeinsam diskutiert werden.
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Donnerstag, 14. März 2019, 16.00 – 17.30 Uhr

3 – Mutterschaft ohne (Alters-)Grenzen
Leitung: Sibil Tschudin, Basel

Die Einführung der modernen Kontrazeptiva machte Familienplanung möglich, die heutige gesellschaftliche Tendenz geht aber mittlerweile eher in Richtung „Aufschieben“ bis zum Moment, wo das Schwangerwerden und Schwangersein z. T. mit beträchtlichen Schwierigkeiten und Risiken verbunden ist. Zwar kann dank der Reproduktionsmedizin zahlreichen Paaren geholfen werden, viele Betroffene sind sich aber der Grenzen des Machbaren, z.B. bedingt durch die Abnahme der Fertilität der Frau nach dem 35. Altersjahr, nicht bewusst. Eine erfolgversprechende Alternative, wenn die assistierte Reproduktionsbehandlung erfolglos bleibt, ist die Eizellspende, die jedoch in der Schweiz, wie auch in Deutschland nicht erlaubt ist. Als Folge davon hat sich ein Eizellspendetourismus etabliert. In den ausländischen Zentren, die aufgesucht werden, gibt es z. T. keine Altersgrenze für die werdende Mutter und auch kein gesundheitliches Mindestprofil, so dass die so erzeugten Schwangerschaften z. T. mit einem beträchtlichen Risiko für Mutter und Kind verbunden sind.  Gelegentlich dürfte sich also die Frage stellen, ob es medizinisch sinnvoll war, eine solche Schwangerschaft zu induzieren. Neben der Altersgrenze werden aber in zunehmendem Masse auch andere teils nachvollziehbare, teils ungerechtfertigte Grenzen überschritten. So sind wir als beratenden und betreuende ÄrztInnen mit dem Wunsch nach reproduktiven Massnahmen bei homosexuellen Paaren und single mothers konfrontiert, wie auch mit der wachsenden Nachfrage für social freezing. Nach dem Autonomieprinzip steht zwar den Frauen / Paaren Entscheidungsfreiheit betreffend ihre reproduktiven Wünsche zu, die behandelnden ÄrztInnen sollten sich aber gleichzeitig am Prinzip der Schadensvermeidung orientieren und auch das Kindswohl nicht ausser Acht lassen. Wie gehen wir mit dem möglicherweise entstehenden ethischen Dilemma um? Wo orten wir unsere Grenzen und was ziehen wir daraus für Konsequenzen für unser ärztliches Handeln? Nach einem Input-Referat soll der Workshop u.a. ausgehend von Fallbeispielen Raum bieten für eine gemeinsame Reflexion und Diskussion der Fragen, die uns im gegebenen Kontext beschäftigen.
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4 – Wunsch- und Strafsectio - eine psychosomatische Betrachtung
Leitung: Ralph Kästner, Meran

In den einleitenden Fallvignietten zum Thema "Wunsch"sectio wird die Polarisierung zwischen Autonomie des Patienten und fürsorglicher geburtshilflicher Empfehlung sehr schnell deutlich.

Warum sind wir entweder innerlich beglückt oder aber schnell ärgerlich wenn Schwangere mit diesem Ansinnen zu uns kommen. Welche tieferliegenden Gründe bringen die Schwangere dazu und wie ist unserer korrespondierende eigene Vorstellung. Gewalt ist dabei ein bedeutsames Thema, Ähnlichkeiten zum Umgang mit Patientinnen mit somatoformen Störungen drängen sich auf.

Ziel des Workshops ist unserer eigene - nicht selten nur teilbewusste - Haltung zu reflektieren, die Interaktion mit der Schwangeren besser zu verstehen und schließlich zu einem befriedigenden eigenen Konzept zu finden. Vermutlich werden unterschiedliche Konzepte resultieren und das darf auch so sein.

Was könnte dann eine "Straf"Sectio sein?
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Freitag, 15. März 2019, 11.00 – 12.30 Uhr

5 – Gewalterfahrung unter der Geburt – Geburtserleben und Bildung weiblicher Identität
Leitung: Barbara Maier, Wien

Ein Tabu bricht auf - Gewalt unter der Geburt wird zum Thema. Handelt es sich „nur“ um die Debatte „Me-too“ – reloaded im Kreissaal? Oder geht es nicht auch um verletzte weibliche Integrität in einem öffentlichen Raum mit großem Vulnerabilitätspotential für Frau- und Muttersein?

Identität als Frau und Mutter entwickelt sich u.a. über das Geburtserleben als Gebär(in)kompetenz. Das Geburtserleben wird von bisherigen Erfahrungen einer Schwangeren bestimmt. So gehen auch die Vorstellungen über eine „idealen Geburt“ weit auseinander. Und: Schwangerschaft und Geburt sind das Ergebnis gelebter Sexualität. Das Intime wird   öffentlich. 

Was ist Gewalt unter der Geburt? Laut WHO, 2014 „Handlungen und Vorgänge, die sich während der Schwangerschaft, unter der Geburt oder im Wochenbett negativ beeinflussend, verändernd oder schädigend auf Frauen und ihre Kinder auswirken.“  Was wird als Gewalt empfunden? Unnötig häufige Untersuchungen, Kristeller, unnötiges Einleiten, Bewegungseinschränkung etc. – vor allem aber medizinisch nicht indizierte Eingriffe unter der Geburt. Dazu kommt das Missverständnis um die „Sanfte Geburt“. Leboyer hat den Begriff auf das Kind und seine ersten Stunden bezogen (Naissance bedeutet die Geburt des Menschen, wie er geboren wird) und nicht auf Accouchement, den Geburtsakt der Frau, gebären, niederkommen.

Folgen von unter der Geburt erlebter Gewalt sind Versagensängste (Mutter, Vater) mit Auswirkungen auf das Selbstverständnis als Eltern, posttraumatische Belastungsstörungen, postpartale Depression, Still- und Bondingprobleme, sekundäre Sterilität, Wunschsectio bei nächster Schwangerschaft.

Hinter-Gründe werden in der Technisierung der Geburtshilfe, der allzu großzügigen Definition von Risikoschwangerschaften, der hohen Kaiserschnitt-Rate, in Eingriffen ohne medizinischen Mehrwert, mangelnder Aufklärung, finanziellen Anreize für Interventionen, Personalmangel, Forensik sowie in mangelnden im Vorfeld hergestellten Gebärbeziehungen (Begleithebamme, Doula) etc. gesehen.

Prävention von „Gewalterfahrungen unter der Geburt“ wären z. B. Debriefing nach Akutsituationen, -eingriffen mit allen Betroffenen, der Frau und ihres Partners – keine Mutter zu entlassen ohne ein solches Deeskalationsgespräch.

Was können wir aus der Debatte als GeburtshelferInnen lernen?

1. Die Geburt als physiologischen Vorgang zu respektieren und – wo immer medizinisch verantwortbar – die Chance auf eine Spontangeburt zu ermöglichen. Keine Intervention ohne medizinische Indikation.

2. Gebärende mit Respekt und Feinfühligkeit zu begleiten.

3. Aber auch nicht „das Kind mit dem Bade auszuschütten“: Eine gelungene Geburt ist eine sichere Geburt. Frauen gehen mit besonderen Vorbedingungen in die Geburt, die medizinische Betreuung erfordern, um Schaden von den Müttern und ihren Kindern abzuwenden.

4. Die Debatte ist differenziert zu führen.
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6 – Spezialisierte Physiotherapie bei Funktionsstörungen im Becken - eine somato-psychische Kasuistik
Leitung: Christiane Rothe, Wörth

Anhand einer Kasuistik wird der physiotherapeutische Behandlungsprozess einer komplexen Beckenbodendysfunktion dargestellt. Die zunächst rein körperlich beschriebenen Veränderungen mit den entsprechenden Diagnosen sind der Start in die physiotherapeutische Behandlung.

Dadurch bietet der Workshop Raum für die Auseinandersetzung mit der funktionellen Anatomie des Beckenraums, den Synergismen und den vielfältigsten Funktionen der Organe des kleinen Beckens.

In der Beleuchtung der Interaktion in der physiotherapeutischen Therapiesituation und der möglichen Wechselwirkung auf die psycho-somatischen Zusammenhänge in der Uro-Gynäkologie können die Chancen und Herausforderungen der konservativen Therapie betrachtet werden. Die komplexe Kasuistik lässt diesen Weg plakativ werden.

Parallel möchte der Workshop die Möglichkeit bieten, physiotherapeutische Entscheidungen, die sich auf Kenntnisse der funktionellen Anatomie, Trainingswissenschaften und motorischem Lernen beziehen, zu vertiefen.

Dadurch wird auch die Unterscheidung von Begriffen wie "Beckenbodentraining", "Prävention von Beckenbodenfunktionsstörungen", "spezialisierte Physiotherapie bei Beckenbodenfunktionsstörung" deutlich.

Gleichzeitig entsteht Raum zur Diskussion über die Möglichkeiten der interdisziplinären Zusammenarbeit.
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Freitag, 15. März 2019, 16.00 – 17.30 Uhr

7 – Abgründe der Konvention: Weibliche Identität in Louis Malles „Verhängnis“. Eine psychoanalytische Filmdiskussion
Leitung: Vivian Pramataroff-Hamburger, Hamburg, Andreas Hamburger, München

Ein Blitzschlag des Begehrens verbindet schon beim ersten Blick den distinguierten Staatssekretär Stephen Fleming (Jeremy Irons) und seine rätselvolle, werdende Schwiegertochter Anna (Juliette Binoche) und führt sie in unausweichliche Verstrickung. Meisterhaft inszeniert Louis Malle einen Beziehungsraum inzestuöser, absoluter Liebeswünsche. Auch den Zuschauer zieht der Film in den Bann der Dialektik von Kontrolle und Entgrenzung, Lust und Tod.

Aus psychoanalytischer Sicht behandelt der Film die weibliche Identität zwischen Lust und Leid, verteilt auf zwei Frauenfiguren des Films: Anna, die dämonische und traumatiserte Geliebte, und Ehefrau Ingrid Fleming (Miranda Richardson). Für ihre meisterhafte Darstellung der Zerrissenheit zwischen der konventionellen Frauenrolle der upper class und ihrer intensiven Bindung an den Sohn Martin wurde sie für einen Oscar nominiert.

Im Workshop werden beispielhafte Szenen interaktiv bearbeitet.
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8 – Selbstbeschädigung und Selbstfürsorge in therapeutischen Berufen
Leitung: Arndt Ludwig, Zwickau

Am Anfang wird nur kurz über die Ursachen und Folgen von Selbstüberforderungen in helfenden Berufen berichtet. In erster Linie sollen die Teilnehmer angeregt werden, eigene Erlebnisse und Fallstricke aus der Berufserfahrung mitzuteilen, die dann themenzentriert in der Gruppe reflektiert werden sollen, um explizite, aber vor allem implizite Gefahrenmomente für Patienten und Therapeuten herauszuarbeiten. Die Teilnehmer und Teilnehmerrinnen sollten aktiv bereit sein, persönliche Erfahrungen mit der Thematik einzubringen.
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Samstag, 16. März 2019, 9.30 – 11.00 Uhr

9 – Leiden als Teil weiblicher Identität
Leitung: Eckhard Frick, München

Überraschende oder erschreckende Diagnosen, Belastungen oder Erkrankungen können den Lebenszyklus der Frau zwischen Geburt und Tod tiefgreifend verändern. Das „Leid“, das die Frau trifft, wird oft als „Schicksalsschlag“ bezeichnet. Was aber heißt Leiden, Verarbeiten, Auseinandersetzen mit der Sinnfrage angesichts des „Leids“, das die „Lust“ unterbricht? Mit der Methode der existenziell-spirituellen Fallbesprechung arbeiten wir an Praxissituationen der Teilnehmenden.
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10 – Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Neurobiologie
Leitung: Ute  Habel, Aachen

Geschlechterunterschiede sind sowohl hinsichtlich Prävalenzraten als auch Symptomatik vieler neuropsychiatrischer Erkrankungen bekannt. In den letzten Jahren hat auch die neurowissenschaftliche Forschung essentielle Erkenntnisse geliefert, die darauf hinweisen, dass sowohl Metabolismus, funktionelle Aktivierung als auch strukturelle und funktionale Konnektivität durch unser Geschlecht beeinflusst werden. Dabei haben sich die meisten Studien auf das biologische Geschlecht beschränkt, Untersuchungen zum Einfluss des sozialen Geschlechts bzw. der Geschlechtsidentität sind eher spärlich. Erkenntnisse aus Studien über Transgender oder Genderdysphoria (DSM-5), stellen hier ein eindrucksvolles Modell zur Untersuchung der Interaktion von biologischem und sozialem Geschlecht dar.

Dieser Workshop spannt den Bogen von neurowissenschaftlichen Erkenntnissen hinsichtlich biologischem und sozialem Geschlecht, Transgender aber auch Geschlechtsunterschieden in Gehirn und Verhalten bei psychischen Störungen.
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